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CD-Review: Artillery – When Death Comes

Info
Bandname: Artillery
Albumname: When Death Comes
Musikrichtung: Thrash Metal, Heavy Metal, Alternative Metal
Erscheinungsjahr: 2009
Label: Refield Records (Alive)
Herkunft: Dänemark
Myspace: keine
Website: http://www.artillery.dk/
Mit „When Death Comes“ wenden sich Artillery erneut einem noch unentdeckten musikalischen Weg zu. Nach fast zwanzig turbulenten Jahren, formierte sich das ehemalige Line-Up von By Inheritance 2007 unter dem Power Metal-Vokalisten Søren Nico Adamsen als Frontmann neu. Nach einer Live-DVD und zahlreichen Europakonzerten ging die Band im März 2009 ins Studio. Søren Andersen, Gitarrist von Oliver Weers und Kandidat für den Eurovision Song Contest (ja, tatsächlich) wurde überraschend dazu auserkoren, die Produktion zu übernehmen. Das Resultat ist das erfrischende und interessante „When Death Comes“.
Es ist schon fast eine Tradition dieser Band, dass ihr Sound sich erneut komplett verändert und in eine neue Version gebracht wurde. Der Kern der Musik ist Thrash Metal mit sehr starken Power/Heavy Metal-Einflüssen, traditionelleres Songwriting und der orientalische Touch, der seit 1990 ein Markenzeichen der Band geworden war. Vergleichen wir die Scheibe mit früheren Werken der Band, fällt auf, dass die Musik viel geradliniger und stärker um die Gesangslinien orientiert wurde. Die Riffs kehren auf konventionelleren Boden zurück und ähneln sich in der Herangehensweise denen auf ihren anderen Alben. Mit dem Titelsong (gleich der erste auf dem Album) ergreift sich die Scheibe sofort die Aufmerksamkeit des Hörers und lässt ihn kaum wieder los.
Allerdings gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Erstens gibt es Momente, in denen sich die Vocals sehr unbequem anfühlen, am stärksten ist das bei „Not A Nightmare“ und „The End“ wahrzunehmen. Obwohl Nico einen sehr guten Job gemacht hat, kann er sich nicht in die Fußstapfen von Flemming Rönsdorf pressen und sollte dies auch nicht versuchen. Ein zweiter Kritikpunkt wäre, dass nicht alle Songs des Albums die Aufmerksamkeit des Hörers so sehr fesseln, wie zum Beispiel der Titeltrack. Am deutlichsten wird das bei „Damned Religion“, der, um es einfach auszudrücken, einfach zu lang und am Ende sogar ermüdend langweilig ist. Die dritte Kritik: Übersteuern. Da das Album sehr laut produziert ist, ist der Schaden leider nicht zu überhören. Es wird jedoch nie so schlimm, dass es einem auf die Nerven geht, trotzdem ist es ein Fehler des Produzenten.
Wenden wir uns dem Schlagzeug zu. Der große Unterschied ist, dass Carsten Nielsen weitaus kontrollierter spielt als auf den wilden, ungestümen 80er-Jahre-Platten. Eine gute Idee, doch auch die alte Variante hatte seine Vorzüge. Eine Evolution, die sich, wie vorher schon erwähnt, durch die ganze Band zieht und in einer traditionelleren, liedbasierteren Musik resultiert. Bei der Produktion hatte ich ja schon das Übersteuern kritisiert, doch sonst machte Søren Andersen einen guten Job. Der Klang ist sehr kompakt, heavy und modern, etwas, dass man je nach Geschmack entweder lieben oder hassen kann. Oh, und bevor ich es vergesse: die Solos! Muss ich darüber überhaupt ein Wort verlieren? Immerhin haben wir an den Gitarren zwei Stützers und das sollte alles sagen. Bassist Peter Thorslund ist zwar etwas im Hintergrund, aber durch die vielen starken Basslinien stört das auf dem Album nicht weiter.
Fazit: Das sind Artillery in ihren besten Jahren und jeder Metaller mit einigermaßen (Sach-)Verstand, sollte sich das Album besorgen. Nach all den Jahren hat die Band jetzt endlich die Chance, sich den Respekt zu holen, den sie sich schon immer verdient hat. „When Death Comes“ ist nicht perfekt, aber was ist schon perfekt? Hoffen wir, dass die Band weiterhin so großartige Alben veröffentlicht.
Zu empfehlen: „When Death Comes“, „Uniform“, „Rise Above It All“, „Upon My Cross I Crawl“ und „Chaos Ride“ (Warum ist diese Nummer eigentlich ein Bonus-Track???)
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten
Tracklist (Non-Special-Edition):
1. When Death Comes
2. Upon My Cross I Crawl
3. 10,000 Devils
4. Rise Above It All
5. Sandbox Philosophy
6. Delusions Of Grandeure
7. Not A Nightmare
8. Damned Religion
9. Uniform
10. The End
11. Refuse To Live – Part 2
12. Warhead
Besetzung:
Gesang:           Søren Adamsen
Gitarre:           Morten Stützer
Gitarre:           Michael Stützer
Bass:               Peter Thorslund
Schlagzeug:    Carsten Nielsen
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CD-Review: Asking Alexandria – Stand Up And Scream

Info
Bandname: Asking Alexandria
Albumname: Stand Up And Scream
Musikrichtung: Metal-/Deathcore mit Dance-Einfluss
Erscheinungsjahr: 2011
Label: Plastic Head (Soulfood)
Herkunft: England
Myspace: http://www.myspace.com/askingalexandria
Website: http://www.askingalexandriaofficial.com/
Es gibt so viele Genres in der Welt der härteren Töne heutzutage. Die Musik hat sich weiterentwickelt und –verzweigt, da es immer wieder neue Musiker gab, die neues ausprobierten. Einiges erfordert dabei nicht so viel Talent und dafür viel, viel Kreativität. Bei Anderem ist es umgekehrt. Bei Einigem ist beides gefragt und manchmal findet man auch nichts von alledem. Asking Alexandria hat mehr Talent als alle anderen Bands da draußen, die dieser Idee je nachgegangen sind und zeigen trotzdem noch genug Kreativität, um den Hörer bei Laune zu halten.

Nehmen wir eine Band wie The Devil Wears Prada als Beispiel und hören uns deren „Plagues“-Album an. Wenn wir uns jetzt ihr neues „Meisterwerk“ („With Roots Above And Branches Below“) vornehmen, hört sich das beim ersten Mal Hören vielleicht gut an. Wenn wir jedoch genauer hinhören, werden wir feststellen, dass sie sich keinen Zentimeter weiterentwickelt haben. Die Keyboard-Parts sind bestenfalls nichtssagend, das Shouting geht einem sogar noch mehr auf den Strich und Jeremy Depoyster (Gitarre, Gesang) begnügt sich mit der immer wieder selben hohen Gesanglinie an exakt derselben Stelle in jedem einzelnen Song. Der Punkt ist, dass sie nichts verändern. „Stand Up And Scream“ jedoch tut es. Jeder Song hat einen anderen Vibe, obwohl ein paar doch noch leicht ähnlich klingen.
Wenn man auf Breakdowns nicht verzichten will, hat man auf diesem Album haufenweise davon. Das ist sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil. Die meisten Breakdowns klingen jedoch überraschenderweise sehr originell. Dass Danny Worsnop (Keyboard, Gesang) einen starken Dialekt hat, macht das Ganze noch einen Tick interessanter (natürlich nur, wenn man auch Englisch versteht). Was ihn zu einem guten Vokalisten macht, ist der Fakt, dass er ziemlich gut singt und in allen drei Lagen (hoch, tief, mittel) shouten kann, wodurch eine abwechslungsreiche Atmosphäre entsteht. Jetzt hören wir uns wieder The Devil Wears Prada an. Hier wird man immer wieder mit denselben mittigen Shouts bombardiert, die einem die Ohren irgendwann einmal platzen lassen. Asking Alexandria, ob man sie nun liebt oder hasst, machen es um Welten besser.
Das Schlagzeug passt immer gut zum Song. Für diesen Musikstil ist es außerdem äußerst beeindruckend. Die Gitarren sind allerdings an den meisten Stellen zu vorhersehbar. Hier sehe ich Nachholbedarf. Bands wie August Burns Red oder Texas In July sind da weitaus unberechenbarer. Die Songs „I Was Once Possibly, Maybe, Perhaps A Cowboy King“ und „Not The American Average“ geben einen kleinen Fingerzeig zu den Südstaaten. Wenn man nach ernsthaften Texten sucht, wird man sie hier nicht finden, denn die Lyrics sind eher unbeschwert und ironisch.

Letztlich noch ein Wort zu den Keyboards oder den Synths. Ja, hier gibt es tatsächlich auch Dance-Beats zu hören (weshalb einige Schubladenfanatiker auch schon wieder das neue Genre Trancecore ins Leben gerufen haben). An einigen Stellen sind die Synths eine wunderbare Ergänzung zu den anderen Instrumenten, wie im Refrain von „Hey There, Mr. Brooks“. Shawn Milke, einer der Gitarristen und der Sänger von Alesana, hat auf diesem Song fantastische Arbeit geleistet. „A Candlelit Dinner With Inamorta“ besitzt meiner Meinung nach die beste Mischung aus Gesang und Screaming auf dem gesamten Album und ist einer der stärksten Tracks.

Die Produktion des Albums ist großartig. Das Artwork und der Albumtitel sind zwar einfallslos, aber gleichzeitig ist es auch genau das, was momentan in ist. Das Genre mag vielleicht eine Modeerscheinung sein und viele, viele sehr schlechte Bands versuchen jetzt, damit ihr Geld zu verdienen. Doch dieses Album ist von denen, die ich bisher gehört habe, am besten.
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten
Tracklist:
1. Alerion
2. The Final Episode (Let´s Change The Channel)
3. A Candlelit Dinner With Inamorta
4. Nobody Don´t Dance No More
5. Hey There, Mr. Brooks (feat. Feat. Shawn Milke of Alesana)
6. Hiatus
7. If You Can´t Ride Two Horses At Once? You Should Get Out Of The Circus
8. A Single Moment Of Sincerity
9. Not The American Average
10. I Used To Have A Best Friend (But Then He Gave Me An STD)
11. A Prophecy
12. I Was Once Possibly, Maybe, Perhaps A Cowboy King
13. When Everyday´s The Weekend
Besetzung
Gesang, Gitarre, Synthesizer: Ben Bruce
Gesang, Keyboard:                Danny Worsnop
Gitarre:                                   Cameron Liddell
Bass:                                       Sam Bettley
Schlagzeug:                            James Cassells

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CD-Review: Beady Eye – Different Gear, Still Speeding

Info
Bandname: Beady Eye
Albumname: Different Gear, Still Speeding
Musikrichtung: 60er/70er Jahre-lastiger Brit-Pop
Erscheinungsjahr: 2011
Label: Beady Eye (Indigo)
Herkunft: England
Myspace: http://www.myspace.com/beadyeye
Website: http://www.beadyeyemusic.com/
Hier ist es. Das neue Oasis … sorry, Beady-Eye-Album. Nach dem Austritt Noel Gallaghers im Jahr 2009, haben sich die übrigen Oasis-Mitglieder Liam Gallagher (Gesang), Gem Archer (Gitarre), Andy Bell (Gitarre) und Drummer-Neuling Chris Sharrock aufgemacht, ihre musikalische Unabhängigkeit zu feiern.
Das erste Mal machte die Band Ende 2010 auf sich aufmerksam, indem man mit „Bring The Light“ einen ersten Song kostenlos zum Download stellte. Schon dieser Song ließ erahnen, dass sich musikalisch nichts großartig ändern würde. Einen Monat später wurde ein neues Album angekündigt, dass nun seit Ende Februar in den Plattenläden zum Verkauf steht.
Was muss man großartig über dieses Album sagen? „Different Gear, Still Speeding“ ist, wie es der vorher schon kostenlos zum Download bereitgestellte Song erahnen ließ, vielen Beatles/Stones-Alben sehr ähnlich. Liam´s Stimme (mit auffallend starkem Hall) klingt stark nach John Lennon, der gesamte Vibe der Songs ist stark der Endsechziger Stones-Ära zuzuordnen. Bei dem Opener „Four Letter Word“ (mein persönlicher Favorit) hat man fast schon das Gefühl, dass John Lennon bei den frühen Deep Purple oder den Doors eingestiegen wäre. „The Roller“ erinnert stark an Lennons „Instant Karma“ (und spätestens jetzt weiß man auch, von wem sich Beady Eyes am meisten beeinflussen ließen). Das Solo ist zwar nicht besonders abwechslungsreich, trotzdem passt es zum Song, ein Ohrwurm, was man spätestens am nächsten Tag merken wird.
Im Großen und Ganzen ist mir das Album dann aber doch zu eintönig. Songs wie „Beatles and Stones“, „Bring The Light“ und „Standing on the Edge of the Noise” ähneln sich für meinen Geschmack doch zu stark. Außerdem sind die Texte für mich überhaupt nicht aussagekräftig und tiefgründig. Die Balladen („Wigwam“, „The Beat Goes On“, „The Morning Son“) wirken leer, unecht und haben keinen Zugang zum Hörer, was nicht zuletzt auch an den zwanghaften Reimpaaren liegt. Nur die temporeicheren Songs („Four Letter Word“, „The Roller“, „Three Ring Circus“) verleiten zumindest zum Fuß wippen und haben Beat-Zeiten-Charakter.
Zusammenfassend bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, dass dieses Album zwar auf den ersten Blick nur leicht an Oasis erinnern lässt, jedoch trotzdem stark in der 60er/70er Jahre Nostalgie schwebt, von der sich so wenige Menschen heutzutage zu lösen vermögen. Wer gerne die späten Beatles, 60er/70er Rolling Stones und besonders John Lennon hört, dem sei dieses Album herzlich nahe gelegt. Allen anderen ist jedoch auch auf keinen Fall abzuraten. Das Album erscheint am Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, doch spätestens nach dem fünften Mal durchhören, hat auch jeder normale Rock-Hörer wenigstens mit den spärlichen Hits seinen Spaß.
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten
Tracklist
1. Four Letter Word
2. Millionaire
3. The Roller
4. Beatles And Stones
5. Wind Up Dream
6. Bring The Light
7. For Anyone
8. Kill For A Dream
9. Standing On The Edge Of The Noise
10. Wigwam
11. Three Ring Circus
12. The Beat Goes On
13. The Morning Son
Besetzung
Gesang: Liam Gallagher
Gitarre: Gem Archer
Gitarre: Andy Bell
Bass: Jeff Wootton
Schlagzeug: Chris Sharrock
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CD-Review: Dropkick Murphys – Going Out In Style

Das beste Album seit “Sing Loud, Sing Proud”

Info
Bandname: Dropkick Murphys
Albumname: Going Out In Style
Musikrichtung: Irish Folk-Rock / Punk-Rock
Erscheinungsjahr: 2011
Label: Cooking Vinyl / Indigo
Herkunft: Irland
Myspace: www.myspace.com/dropkickmurphys
Website: www.dropkickmurphys.com/
Die irische Punk-Rock-Band Dropkick Murphys veröffentlichten heute ihr siebtes Studioalbum „Going Out In Style“. Obwohl es mehr als acht Millionen Rockbands auf der Welt gibt, ist es trotzdem unglaublich schwer, eine zu finden, die aus diesen heraussticht. Die Dropkick Murphys zählen jedoch ohne jeden Zweifel dazu.
Ihre leidenschaftlich destruktive Musik basiert auf einer einzigartigen Kombination aus dem kraftvollen Gesang Al Barrs, starken Basslinien von Ken Casey und den einzigartigen Harmonien von Tim Brennan (Akkordeon, Gitarre), Jeff DaRosa (Banjo, Busuki, Mandoline, Flöten, Mundharmonika) und James Lynch (Gitarren). Man füge nun noch gleichbleibende Melodielinien des Dudelsacks von Scruffy Wallace und aggressive Drumbeats von Matt Kelly hinzu und fertig ist die kreative und fast magisch erscheinende Mischung aus irischem Folk-Rock und Punk-Rock, die die Musik der Band einmalig macht.
Das Album startet mit einem typisch energiegeladenen Dropkick-Murphy-Song namens „Hang ´em High“. Der Titelsong „Going Out In Style“ erinnert mich an „Captain Kelly´s Kitchen“ vom „The Warrior´s Code”-Album, da sich Barr und Casey die Lead-Vocals einteilen. Interessant klingt es allemal, denn Klang und Singstil unterscheiden sich stark. Während Caseys Stimme erbaulich, warm und stark ist, klingt Barr genauso aggressiv wie live, wenn jeder die Adern an seinem Hals bewundern kann.
Der melodische Titel „Broken Hymns“ basiert auf einem leicht rhythmischen Drumbeat, der dem Zuhörer einen vollkommen neuen Eindruck der Band vermittelt. Der unaufhaltsame Spaßsong „Take ´em Down“ bezieht sich auf das soziale Bewusstsein und die standhafte Unterstützung organisierter Arbeit, der Song jedoch ist voll mit schwermütiger Spannung und das trotz der Zeile „Let them know, we gotta take our bastards down.“ (deutsch etwa.:„Lasst sie wissen, dass wir unsere Feinde niederringen.“). Der Song könnte einem jedem Morgen vor einem stressigen Arbeitstag Kraft geben.
Einer der Höhepunkte des Albums sind die Gastvocals Bruce Springsteens in dem Song „Peg O´ My Heart“. Diese Zusammenarbeit macht einen erfrischenden und energischen Eindruck. Der gut eingängige Song macht sehr viel gute Laune, besonders nach dem langsamen, gemütlichen „1953“, der auf einer konsistenten Dudelsackmelodie mit einheitlichen Gesangsharmonien aufgebaut ist. (In diesem Song wartet man vergeblich auf Geschrei.)
Durch das ganze Album zieht sich die hohe Geschwindigkeit, die man von den Dropkick Murphys erwartet, sodass einige sogar in der Lage sein werden, sich durch das Hören dieses Albums in eine Liveperformance hineinzuversetzen.
Bewertung: 5 von 5 Punkten
Tracklist
1. Hang ´Em High
2. Going Out In Style
3. The Hardest Mile
4. Cruel
5. Memorial Day
6. Climbing A Chair To Bed
7. Broken Hymns
8. Deeds Not Words
9. Take ´Em Down
10. Sunday Hardcore Matinee
11. 1953
12. Peg O´ My Heart
13. The Irish Rover
Besetzung:
Gesang:                                              Al Barr
Gesang, Bass:                                     Ken Casey
Schlagzeug, Bodhran, Gesang:          Matt Kelly
Gitarre, Gesang:                                 James Lynch
Gitarre, Akkordeon, Gesang:            Tim Brennan
Mandoline, Banjo, Busuki, Flöten,
Akustikgitarre, Keyboard, Mund-
harmonika, Gesang:                            Jeff DaRosa
Dudelsack:                                         Scruffy Wallace
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CD-Review: Kids In Glass Houses – Smart Casual

Erfrischend anders

Info
Bandname: Kids In Glass Houses
Albumname: Smart Casual
Musikrichtung: Pop-Punk mit britischen Einflüssen
Erscheinungsjahr: 2008
Label: Roadrunner Records
Herkunft: Wales
MySpace: http://www.myspace.com/kidsinglasshouses
Website: www.kidsinglasshouses.com
Okay, ich bin ehrlich. Nachdem ich ein Bild dieser Band gesehen hatte, mochte ich sie schon ohne sie zu hören. Lead-Sänger Aled Phillips möchte ich zwar nicht zu nahe treten, doch nichtsdestotrotz freute ich mich darüber,  eine Pop-Punk-Band zu sehen, die endlich einmal keinen Schönling seinen Frontmann nennt. Viel zu oft greifen Bands in diesem Genre eher auf ihr Aussehen als auf musikalisches Talent zurück. Ich werde an dieser Stelle keine Namen nennen, hauptsächlich, weil jeder, der sich für dieses Genre interessiert, selber einen oder mehrere Bands nennen könnte, auf die es zutrifft. Ich begnüge mich damit zu sagen, dass die besten Bands meistens genau diese Sicherheitsnetze nicht haben, die sie als Auffangmittel verwenden könnten, wenn es musikalisch nicht mehr so läuft. Sie sind gezwungen, ihre musikalischen Fähigkeiten stärker zu verfeinern als ihre (gutaussehenden) Konkurrenten und das Resultat ist meistens Meilen besser als die Scheiben, die von den Szene-Bands, auf die ich mich oben bezog, hervorgebracht werden.
Genau das scheint in diesem Fall geschehen zu sein, denn Smart Casual ist eines der besten Pop-Punk-Alben, die ich seit Langem gehört habe und definitiv eines der besten Debüts, das man ablegen kann. Immerhin übertrumpfen Kids In Glass Houses damit Madina Lake und Forever the Sickest Kids. Es gibt zwei Dinge, die man hier hervorheben sollte. Erstens ist KIGH´s Sound eine perfekte Mischung aus amerikanischen und britischen Einflüssen. Es ist kein Geheimnis, dass die Szene von amerikanischen Bands dominiert wird und der Klang und die Vorstellungen, die sie mit sich bringt, werden – zumindest in meinem Kopf – oft mit amerikanischer Kultur, besonders mit den sonnigeren Klimaregionen wie Kalifornien und Florida in Verbindung gebracht. Deshalb war ein Übertragen dieses Feelings auf ausländische Bands zu erwarten, doch was KIGH zu etwas Besonderem macht, ist ihr Gefühl, all das mit einer gewissen britischen Note zu versehen. Das Ganze geschieht keineswegs auf clichéhafte Art und Weise, wie es für einige britische Alben zutrifft (Enter Shikari´s Common Dreads wäre ein klassisches Beispiel). Eine kleine Note weniger britischer Basisbands wie Police und Blur beeinflussen ihren Sound, doch es ist nie so viel, dass sie von ihren Pop-Punk-Wurzeln abkommen.

Auch das Fehlen einer Ballade auf dem gesamten Album ist eine brillante Empfehlung. Ich bin nicht per se gegen Balladen, sie sind nur einfach so viel schwerer zu mögen, als Songs auf normaler Geschwindigkeit. Zum einen können sie unsinnig und nicht authentisch wirken, zum anderen könnte man Gefahr laufen, dass keiner dazu tanzen kann und dann besteht da noch das Risiko, dass sie zu gut sind und damit den Rest des Albums einfach vergessen lassen. Jedenfalls beeindrucken mich die Versuche von Bands, das Tempo zu reduzieren immer weniger. KIGH jedoch scheinen sich vollkommen bewusst zu sein, dass Pop-Punk fröhliche, muntere Musik ist und haben kein Verlangen danach, auf irgendeinem der zwölf Titel das Tempo zu verringern. Das Resultat ist so viel besser.

Zu erwähnen sind auch die individuellen Aspekte der Musiker. Das gesamte Album ist eher gut als großartig. Der Gesang ist eingängig genug, um ein Ohrwurm zu werden, ohne sich jedoch jemals auszuzeichnen. Die Lyrics sind catchy genug, dass man sich schneller beim Mitsingen erwischt, als es zu erwarten wäre, doch nie so clever wie die Lyrics von Fall Out Boy. Die Produktion ist allerdings exzellent. Jedes musikalische Element wurde perfekt in Szene gesetzt und erschafft somit ein ideales Klangbild. Die Herangehensweise ist dabei relativ frisch. Der oben genannten britischen Einflüsse ungeachtet, ist “Fisticuffs” ein bisschen härter als der gewohnte Durchschnitt, “Give me what I want” lässt ein paar Spuren Indie erkennen und einige “Duh-duhs” (“Easy Tiger”) und “na-nas” (Church Tongue”) durften natürlich auch nicht fehlen.

Das Album hat alles, was man im Pop-Punk erwartet: es ist frisch, ernst, besitzt Ohrwürmer ohne Ende, und mehr als das fügt es auch noch etwas Neues hinzu – nicht so viel, dass es die Szene-Kids abschrecken würde, aber genug um die Kenner auf- und hinhören zu lassen. Definitiv hat sich das Album einen Platz in jeder Pop-Punk-Plattensammlung verdient.
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

Tracklisting:
1. Fisticuffs
2. Easy Tiger
3. Give Me What I Want
4. Saturday
5. Lovely Bones
6. Shameless
7. Girls
8. Good Boys Gone Rad
9. Dance All Night
10. Pillow Talk
11. Raise Hell
12. Church Tongue
Besetzung
Gesang:       Aled Phillips
Gitarre:        Joel Fisher
Gitarre:        Iain Mahanty
Bass:           Andrew Shay
Schlagzeug:  Philip Jenkins