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Zu spät gefunden: YOU ME AT SIX – Night People

Durch meinen Pop-Punk-Post (was für eine Alliteration!) am Samstag ist mir eines aufgefallen. YOU ME AT SIX sind zurück. Schon im Januar haben die fünf Briten ihr neuestes Werk Night People veröffentlicht. Ich meine, mich auch irgendwie daran erinnert zu haben, dass ich es mit einem Naserümpfen wahrgenommen hatte. Von der Sinners Never Sleeps, auf der sogar BRING ME THE HORIZON-Schreihals Oli Sykes einen Gastauftritt bei „Bite My Tongue“ feiern durfte, war ich einfach zu enttäuscht. Pop-Punk war vielleicht auch zu dem Zeitpunkt nicht meins. Dann habe ich aber während der Recherche zum Blogpost vom Samstag ein bisschen in die neue Scheibe reingehört und war wahnsinnig überrascht.

Vor mittlerweile sechs Jahren (schon so lange her?) gab es eine Band aus dem selben Genre, die mich ähnlich weggehauen haben: KIDS IN GLASS HOUSES. Mit deren 2011 erschienenem Album In Gold Blood hatten die fünf Waliser ihre ganz eigene, kleine Bandrevolution gestartet. Leider sind die Jungs nicht bis zum Ende ihrer Bandtage dabei geblieben, denn das letzte Album der Band, Peace, ließ dann doch recht zu wünschen übrig. Aber sie hatten gezeigt, wozu Musiker der Szene in der Lage sind, wenn sie mal etwas anderes machen wollen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich genau das bei YOU ME AT SIX, die damals unter anderem mit Songs wie „Stay With Me“ einen besseren COLDPLAY-Verschnitt darstellten, vermisst.

Night People dagegen ist verdammt cool. Schon der Opener und Titeltrack gibt einem ein richtig gutes Gefühl dafür, wohin es gehen soll. Ja, die Strophe ist recht pop-rockig gehalten. Radiotauglichkeit gehört bei einer solchen Band ja dazu, aber trotzdem hat der Song einen richtig guten Groove. Auch „Plus One“ und „Heavy Soul“ lassen nichts zu wünschen übrig, was man sich von einer guten Rockaufnahme erwarten würde. Der erste Schwachpunkt (oder Rückfall in alte Zeiten?) ist dann die Ballade „Take on the World“, die mich einfach nicht vom Hocker reißen will. Auch der Nachfolger „Brand New“ klingt nicht so ganz nach dem, was er dem Titel nach verspricht. Brandneu ist er so nicht, auch wenn er weitaus rockiger ist als das was man normalerweise erwartet hätte.

Songs wie „Plus One“, „Swear“ und „Make Your Move“ zeigen allerdings deutlich, wie reif die Band um Josh Franceschi mittlerweile geworden ist. Wenn man bedenkt wie die Jungs angefangen haben (solche Nummern wie „Save it for the Bedroom“ von der Take Off Your Colours sind da ein gutes Beispiel), dann bekommt man hier den Beweis, dass die Mitglieder mittlerweile tatsächlich in ihren 30ern angekommen sind. Umso verständerlicher sind die Stadiontourneen, die YOU ME AT SIX mittlerweile in Großbritannien fahren. Umso unverständlicher ist es allerdings auch, dass sie hier in Deutschland im Herbst in den relativ kleinen Schuppen wie im Leipziger Täubchenthal oder dem Dresdner Beatpol (ehemalig Starclub) spielen (was natürlich für die Fans ein riesiger Vorteil ist, denn wo bekommt eine Band dieses Kalibers mal so hautnah zu sehen?).

Richtig überzeugend finde ich auf Night People die besonders rockigen Titel „Swear“ (warum nur 2:46 Minuten???) und „Make Your Move“. Wer richtig klassisch rocken will, wird mit den beiden Nummern richtig Spaß haben, was dazu führt, dass sie definitiv für eine Weile auf meiner Liste der Songs des Jahres bleiben werden. Dem ganzen schließt sich der zwar etwas ruhiger gehaltene, aber nicht weniger coole „“Can’t Hold Back“ an. Auf der Scheibe gab es bisher weitaus mehr positive Überraschungen als negatives, altbewährtes; und das steht den Engländern echt gut.

Zum Abschluss wird es zwar mit zwei recht balladesken Nummern noch einmal ruhiger, aber irgendwie finde ich das kompositionell sehr passend. Sowohl „Spell It Out“ als auch „Give“ haben einen eher düsteren Anstrich, vermögen es aber durch den verdammt guten Gesang Franceschis richtig zu punkten. Besonders „Spell It Out“ kann ich mir gut mit geschlossenen Augen anhören und einfach nur wirken lassen. Das LED ZEPPELIN-Riffing gegen Ende überrascht nochmal richtig. Auch „Give“ hat solche Momente und gerade zum Schluss wird das nochmal stark deutlich. Ein richtig guter Abschluss.

Fazit: Eine der größten Überraschungen des Jahres bisher. Ich hatte nach Sinners Never Sleep tatsächlich nicht mehr viel erwartet, muss jetzt aber wirklich eingestehen, dass ich falsch lag. Mittlerweile läuft Night People bei mir fast täglich hoch und runter (wenn ich nicht gerade anderes Zeug höre, das hier auf dem Blog rezensiert werden wird) und sogar der Vorgänger Cavalier Youth hat es schon auf meinen digitalen Plattenteller geschafft. Überraschend? Auf jeden Fall!

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Hörtipps: Night People, Plus One, Swear, Make Your Move, Spell It Out

Tracklist:

  1. Night People
  2. Plus One
  3. Heavy Soul
  4. Take on the World
  5. Brand New
  6. Swear
  7. Make Your Move
  8. Can’t Hold Back
  9. Spell It Out
  10. Give

Besetzung:

Gesang: Josh Franceschi

Gitarre: Chris Miller

Gitarre: Max Helyer

Bass: Matt Barnes

Schlagzeug: Dan Flint

 

Info:

Musikrichtung: Alternative Rock (früher Pop-Punk)

VÖ-Datum: 06.01.2017

Label: Infectious

Herkunft: Großbritannien

Facebook: YOU ME AT SIX auf Facebook

Website: YOU ME AT SIX

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Musik

Kurz zum Pop-Punk

Es gab schon länger nichts mehr zum Thema Pop-Punk auf New Rock Reviews. Allerdings stoße ich in letzter Zeit immer wieder auf Bands, die sich diesem Genre verschrieben haben. Es ist ja mittlerweile ein regelrechter Hype um diese Szene entstanden. Als wir 2011 anfingen, kannte ich gerade einmal zwei Bands, die sich mir aufdrängten: KIDS IN GLASS HOUSES, die mittlerweile leider nicht mehr existieren, und YOU ME AT SIX, die wohl bisher die bekanntesten britischen Vertreter der Szene darstellten, auch wenn sie mit Night People in eine weitaus coolere, rockigere Richtung abgedriftet sind. Logischerweise kommen die meisten Bands dieses Genres aus den USA: Pop-Punk hat ja immer etwas sonniges an sich und, na ja, Großbritannien und Sonne ist vom Klischee her wohl eher weniger miteinander zu verbinden.

Was ich bei dem ganzen Hype jedoch nervig finde: Ganz egal welche Band gerade etwas veröffentlicht, es wird abgefeiert, selbst wenn es der größte Schrott ist. Mein persönlicher Eindruck des aktuellen ALL TIME LOW Albums Last Young Renegade gehört dort rein. Ja, ich habe mir das Album angehört. Wie üblich auch mehrmals, da ich aufgrund der Relevanz der vier Amerikaner für die Musikrichtung eigentlich ein Review bringen wollte. Aber, ehrlich gesagt, ich habe mich nur durchgequält. Für mich fehlte der Punk. LADY GAGA hätte das Album auch unter ihrem Namen veröffentlichen können, mit einer weiblichen Stimme wäre es fast nicht aufgefallen. Der Hype um dieses Album ist für mich absolut nicht nachvollziehbar.

Danach hatte ich eigentlich schon fast wieder die Nerven für die Szene verloren. Aber BROADSIDE, die zwar auch gerade richtig gehyped werden, haben mich dann doch schon eher überzeugen können. Deren neues Album Paradise hat für mich vieles von dem, was KIDS IN GLASS HOUSES und die frühen YOU ME AT SIX ausgemacht haben. Rockige Wurzeln, punkige Attitüde, ein bisschen Skater-Feeling und dennoch catchy Ohrwürmer. Wenn man ganz tolerant ist, hört man sogar einen ganz leisen Hauch FOO FIGHTERS raus. Auch wenn das erste Album laut Aussagen vieler anderer Reviewer viel aggressiver war, kann ich bei diesem hier wirklich etwas gewinnen. Gerade „Lose Your Way“ hat für mich etwas ganz eigenes cooles, was mich richtig gefangen nimmt. Hoffentlich machen die Jungs genauso weiter.

Übrigens haben beide Alben (Last Young Renegade und Paradise) in den meisten Reviews ähnliche Bewertungen bekommen, was ich absolut nicht nachvollziehen kann…

Aber was denkt ihr von der Szene? Wird es zu viel Hype? Habt ihr Favoriten? Würde mich mal interessieren!

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Rise Against – Wolves

Es gibt Bands, die hat man ständig auf dem Schirm. Gerade, wenn man, wie ich, ständig in der Metalcore-Szene unterwegs ist und diverse Musikmagazine Großbritanniens (ich glaube, mittlerweile muss ich nicht mehr erwähnen, welche), abonniert hat. Und dann gibt es da Bands, die kommen einem erst auf den Radar wegen Mr. US-President persönlich: Donald J. Trump. Vor ein paar Wochen habe ich im Internet eine Mitteilung gefunden, dass RISE AGAINST ihren Videodreh zu „The Violence“ nicht genehmigt bekommen haben, weil er zu sehr „anti-Regierung“ sei. Da wurde ich neugierig. Neue Videos heißen meistens neues Album. Und ich sollte recht behalten, denn mit Wolves erschien genau dieses am 9. Juni.

Gleich der Opener und Titeltrack erinnert mich an eine der ersten Bands, die wir auf New Rock Reviews tatsächlich zugeschickt bekommen haben: MAX RAPTOR. Treibender Rhythmus, viel Power, cooles Riffing und ein eingänger Chorus; was willst du mehr von einem ersten Song? Dafür, dass ich die Band vorher nie verfolgt habe (shame on me), finde ich das schon ziemlich gut. „House on Fire“ geht in typischer Skate-Punk-Manier weiter, wie ich es schon letztes Jahr von IGNITE gehört habe. Da sieht man dann doch, wo die vier Amis musikalisch herkommen. An sich zwar nichts neues, aber das ist in dieser Szene wohl auch nicht wirklich nötig. Hauptsache man hat Bock auf skaten und rocken.

Der „verbotene“ Song „The Violence“ beginnt eben so treibend und cool. Da gerade eh Sommer ist, könnte ich mich doch eigentlich auch gleich an den nächsten See zum rocken setzen. Lust darauf macht der Song musikalisch, auch wenn er textlich natürlich tatsächlich „anti-Regierung“ ist, denn ständig wird gefragt, ob wir nicht gut und mutig genug sind, uns gegen bestehende Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen. Klar, dass Mr. Trump da Angst bekommt. Und dann folgt mit „Welcome to the Breakdown“ der erste absolute Hit. Richtig gut zum moshen (irgendwo in meiner Fantasie zerschellt gerade ein Bierglas an der Wand) eignet sich der Refrain, der so etwas wie einen Breakdown a la Skate-Punk darstellt. Eine richtig coole Nummer.

Fast nahtlos schließt sich auch „Far From Perfect“ an. Ähnlich viel Tempo, ähnliches Feeling, teilweise ein leichter Pop-Punk-Touch, aber verdammt geht der Refrain ins Ohr. Der wird so schnell wohl nicht mehr vergessen werden. Besonders die Texte gefallen mir bisher. Wenn es um die Szene geht, bin ich ja generell eher in der politischen Ecke zu finden und zu diesem Thema scheinen RISE AGAINST mehr als genug mitteilen zu wollen. Wer denkt, jetzt müsste doch mal langsam was zum Verschnaufen kommen, wird wohl gleich in Tränen ausbrechen müssen. Denn auch wenn „Bullshit“ mit seiner leicht reggae-angehauchten Strophe etwas Luft holen lässt, kann man die gerade gefüllten Lungen gleich im Chorus wieder leer brüllen. Ein weiterer Hörtipp.

So, und jetzt tatsächlich kurz Luft holen. „Politics of Love“ ist etwas ruhiger, wenn auch nicht weniger überzeugend und catchy. Wieder bleibt der Refrain im Ohr wie ein mit voller Wucht krumm in die Wand geschlagener Nagel in eben dieser (wenn auch bei weitem weniger ärgerlich). Bisher haben mich RISE AGAINST echt am Haken. „Parts Per Million“ haut dann auch schon erneut mit voller Wucht rein. Kurz durchschnaufen reicht ja auch, oder? Wieder sehr catchy, wieder sehr viel Energie, wieder sehr viel Kopfschmerz vom Headbangen. Aber ein cooler Titel.

Ich denke mal, dass ich bei einem Titel wie „Mourning in Amerika“ nicht viel zur politischen Aussage sagen muss. Also bleib ich bei der Musik. Die Strophe überzeugt mich zwar nicht so, aber die 4 Jungs aus Chicago wissen, wie man Hooks schreibt; und die bekommt man im Refrain mehr als genug. Wenn mich einer nach einem Song fragen würde, den ich von Wolves empfehlen sollte ohne vielleicht die groß promoteten Dinger zu nennen, würde ich diesen nehmen. „How Many Walls“ ist ein typisch rockiger Song. Schon das Intro-Riff ist ziemlich cool, die verzögerten Beats in der Strophe, das abgedämpfte Riffing … dazu der Text: „How many walls can you burn?“ (dt. „Wie viele Mauern kann man niederbrennen?“). Da wird eindeutig klar, was die Band im Sinn hat. Das ist eindeutig einer meiner Lieblingssongs auf dem Album.

Mit „Miracle“ scheint es genauso rockig weiterzugehen, auch wenn langsam die Abwechslung fehlt. Zwar sind die Songs alle cool, treibend und laden zum Moshen ein, aber der ein oder andere Wechsel wäre langsam gar nicht so verkehrt. Wird aber wohl nicht mehr passieren, denn die Szene gibt es einfach musikalisch nicht her. „Megaphone“ beginnt dann irreführend ruhig, bevor es fast sofort in einen typischen hart-punkrockigen Chorus geht, den ich von IGNITE, PENNYWISE und Co. nicht anders erwarten würde. Geht musikalisch als auch textlich wieder gut ins Ohr.

Und wer jetzt noch genug Energie hat: „Broadcast[Signal]Frequency“ kommt ja auch noch. Der nimmt dir dann echt den letzten Rest an Power. Wer nach dem Song nicht schwitzt und heiser ist, hat was falsch gemacht. Wahrscheinlich angefangen damit, sich das falsche Review durchzulesen. Aber zum Glück gibt’s das Fazit, um sich nochmal zu vergewissern.

Fazit: Ein verdammt solides szenetypisches Skate-Punk-Album. Wer hier auf Abwechslung hofft, wird das vergeblich tun. Wer aber gern rockt, mosht, feiert und Biergläser gegen Wände wirft, während er anderen mit um sich schlagenden Armen die Zähne ausschlägt (natürlich alles aus Versehen), der wird hier seinen Spaß haben. Persönlich kann ich Wolves sehr empfehlen, auch wenn ich bei Konzerten wohl eher hinten bleiben würde.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Hörtipps: Wolves, Welcome to the Breakdown, Bullshit, Mourning in Amerika, How Many Walls, Broadcast[Signal]Frequency

Tracklist:

  1. Wolves
  2. House on Fire
  3. The Violence
  4. Welcome to the Breakdown
  5. Far From Perfect
  6. Bullshit
  7. Politics of Love
  8. Parts Per Million
  9. Mourning in Amerika
  10. How Many Walls
  11. Miracle
  12. Megaphone
  13. Broadcast[Signal]Frequency

Besetzung:

Vocals, Rhythmusgitarre: Tim McIlrath

Leadgitarre, Backings: Zach Blair

Bass, Backings: Joe Principe

Schlagzeug: Brandon Barnes

 

Info:

Musikrichtung: Melodic Hardcore, Skate Punk

VÖ-Datum: 09.06.2017

Label: Virgin Records

Herkunft: USA

Facebook: RISE AGAINST auf Facebook

Website: http://www.riseagainst.com/

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Musik

INVSN – The Beautiful Stories

INVSN (sprich: Invasion) sind zwar schon seit 1998 unterwegs, doch bisher vollkommen an mir vorbeigegangen. Mit The Beautiful Stories hat sich das jetzt geändert. Verantwortlich dafür zeigte sich mal wieder mein Lieblingsmusikmagazin aus Großbritannien RockSound, die im verlinkten Artikel ein kurzes Review abgegeben haben. Mal wieder recht herzlichen Dank dafür!

Die fünf Schweden haben es mir gleich von Anfang an angetan. Recht düstere, mystische Klänge in „Immer Zu“ lassen sofort erahnen, dass die Band aus dem Norden des Landes kommt. Abwechslung folgt gleich darauf mit „This Constant War“, der mit sambalastigen Percussions im Intro gute Stimmung macht. Hier ist richtig Energie drin und man bekommt viel Lust auf mehr.

Abwechslung bleibt auch bei „Bom Bom“ Stichwort. Hier höre ich starke NICK CAVE-Einflüsse. Der Wechselgesang zwischen Dennis Lyxzen und Sara Almgren, respektive Christina Karlsson, gibt dem Song einen sehr interessanten Touch. Ich finde „Bom Bom“ verdammt cool und atmosphärisch einfach grandios. Die fünf Minuten sind fast schon zu schnell um und man wünscht sie sich sofort zurück. „The Distance“ beginnt ähnlich düster. Lyxzens Stimme gibt dem Track einen Touch von DEPECHE MODE, allerdings bei weitem weniger poppig, was mir sehr gelegen kommt. Bisher gab es auf The Beautiful Stories nicht einen Song, den ich wegskippen will.

Das ändert sich auch mit „I Dreamt Music“ nicht. Ein klein wenig erinnert mich das Lied sogar an eine meiner walisischen Lieblingsbands THE JOY FORMIDABLE. Besonders gegen Ende fühle ich mich leicht an deren Song „Whirring“ erinnert, wenn dieser auch gegen Ende weitaus exzessiver ausgelebt wird. Mit „Deconstruct Hits“ setzen INVSN The Beautiful Stories dann endgültig die Krone auf. Das geflüsterte „Shut up!“ führt in einen unglaublich coolen Groove hinüber, der hauptsächlich von einem genialen Bass-Lick getragen wird. Die Gitarreneffekte vermitteln den mittlerweile schon gewohnten schrägen Anstrich, dazu kommt das synthesizerhafte Keyboard. Ein perfekter Song, der alles hat, was mich an dieser Band so anspricht.

Auch mit „Love’s Like A Drug“ werde ich nicht mehr von meiner Kaufentscheidung abzubringen sein. Das steht schon fest bevor der Song losgeht und ist danach auch nicht anders. Die fünf Schweden wissen, was sie tun. Der Song ist recht ruhig, aber der Wechselgesang und der leicht militärisch angehauchte Rhythmus (man denke an die Trommeln in Schlachten während des Mittelalters) geben dem Titel einen ganz eigenen Hauch. Sogar ein wenig Elektro kommt gegen Schluss vor. Mit Abwechslung tun sich INVSN also nicht wirklich schwer.

Fazit: The Beautiful Stories ist ein grandioses Album, das ich so gar nicht auf dem Schirm hatte und, ehrlich gesagt, als ich davon las, auch nicht so großartig gut erwartet hätte. Abwechlsungsreichtum, starkes Songwriting, coole Rhythmen und eingängige Hooks sorgen für eine perfekte Platte. Einziges Manko: Es sind nur sieben Songs. INVSN sind mit diesem Album aber definitiv auf meinem Radar gelandet und werden dort wohl auch noch eine Weile verbleiben dürfen.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Hörtipps: This Constant War, Bom Bom, Deconstruct Hits

Tracklist:

  1. Immer Zu
  2. This Constant War
  3. Bom Bom
  4. The Distance
  5. I Dreamt Music
  6. Deconstruct Hits
  7. Love’s Like a Drug

Besetzung:

Vocals: Dennis Lyxzen

Bass, Vocals: Sara Almgren

Gitarre, Keyboard: Anders Stenberg

Schlagzeug, Percussion: Andre Sandström

Keyboard, Vocals: Christina Karlsson

 

Info:

Musikrichtung: Indie, Post Punk

VÖ-Datum: 9.6.2017

Label: Woah Dad! Records

Herkunft: Schweden

Facebook: INVSN auf Facebook

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Musik

In Hearts Wake – Ark

Was man nicht alles kennenlernt, wenn man sich mal ein bisschen mit der britischen Musikpresse befasst. Vor einer Woche erschien das neue Album der australischen Metalcore-Band IN HEARTS WAKE. Das britische Rockmagazin ROCKSOUND hat zeitnah darüber berichtet und als alter Metalcoreler bin ich natürlich neugierig geworden und habe es mir mal auf den digitalen Plattenteller geworfen.

Schon beim Intro „Ark“ (gleichzeitig auch der Titel des Albums) fällt mir das im Bericht des Magazins beschriebene Konzept der Scheibe auf. Es geht um das Element Wasser: Meeresrauschen, Möwen und dazu eine klein wenig hallige Gitarre, die sofort Fernweh verbreitet (wenn man nicht, wie ich zufällig, gerade irgendwo am Meer sitzt und Reviews schreibt). Der nahtlose Übergang zum ersten tatsächlichen Song „Passage“ wartet gleich mit einem mächtigen Breakdown auf, der mit den Worten „Brace for the Impact“ angekündigt wird. Und das sollte man auch, denn: verdammt ist das ein Breakdown. Einziges Manko ist der 0815-Refrain, wie man ihn von den alteingesessenen Metalcore-Bands schon mehr als zur Genüge gehört hat. Eigentlich ein ganz cooler Titel, aber hier hätte es tatsächlich ein bisschen mehr Einfallsreichtum sein können.

„Nomad“ dagegen zeigt sich weitaus mächtiger, auch wenn der Refrain hier noch weicher ist. Dass das auch anders geht, sollte in der Metalcore-Szene eigentlich durch solche Bands wie AUGUST BURNS RED, ARCHITECTS und PARKWAY DRIVE bekannt sein, aber leider nehmen sich das IN HEARTS WAKE nicht wirklich zu Herzen. Eines muss man ihnen aber lassen, „Nomad“ ist definitiv abwechslungsreich und zeugt von doch recht gutem Songwriting. Und nach dem gebrüllten „Liberate me!“ haben sie mich wieder – man muss halt nur ordentlich drückende Breakdowns schreiben können… Bei „Frequency“ muss ich im Intro jedes Mal nachschauen, ob es noch dasselbe Album und dieselbe Band ist. Das ganze könnte auch locker auf einer Pop-Punk-Scheibe erscheinen. Der Gesang passt ganz gut dazu, kein richtiger Druck auf der Gitarre, Shouts nur im Backing, vielleicht eine Art neue Metalcore-Ballade? Bei mir kommt er jedenfalls nicht so gut an, dafür ist er mir einfach zu langweilig.

Vielleicht wird es mit „Warcry“ besser? Ja, wird es. Deutlich. Ein ziemlich mächtiges Intro-Riff, ein gewaltiger Breakdown als Bridge und selbst der Gesang im Refrain kommt nicht so weich daher. Tatsächlich ein Song, bei dem ich wenig auszusetzen habe. Mitnicken garantiert. Meine bisher eindeutige Hörempfehlung für Ark. „Waterborne“ beginnt wieder etwas ruhiger. Die Riffs sind in Ordnung, jedoch nichts, wo ich sofort den Hocker umschmeißen und losmoshen wöllte. Der Gesang ist mir wieder zu weich, teilweise noch mit Autotunes bearbeitet. Echt schade, da war nach „Warcry“ mehr drin, auch wenn der Breakdown wieder etwas beschwichtigen kann.

Auch „Arrow“ hat ein recht ruhiges Intro mit vielen Effektspielereien. Sofort wird man wieder mit weichen Vocals eingekuschelt … hier scheint es eine richtige Ballade zu werden. Und genau so ist es. Wer klischeehaften Metalcore hören will, hier bekommt man ihn. Weichgespülter Herzschmerzrefrain inklusive. Nichtmal Shouts gibt’s hier. Tja. „Flow“ zeigt wieder etwas mehr Power. Ich bin mittlerweile trotzdem etwas skeptisch, ob mich die Jungs nochmal vom Hocker reißen können. Die Strophe glänzt wieder mit fröhlich-melancholischem Gesang, aber wenigstens kommen hier ein paar Shouts und ein cooler, grooviger Refrain zustande. Mehr davon wäre jedoch durchaus angebracht gewesen.

„Overthrow“ startet mit einem extrem groovigen Riff, das mir ganz gut ins Ohr gehört. Der weiche Gesang lässt bisher auch auf sich warten, denn es geht mit stabilen Shouts los. Die Strophe wirkt relativ stark an PARKWAY DRIVE’s jüngstes Werk angelehnt (Stichwort „Crushed“) und tatsächlich wirkt der Gesang wie auch schon bei „Warcry“ nicht so weichgespült, als er dann kurz mal auftaucht. Solche Songs brauchen IN HEARTS WAKE mehr. Definitiv ein stabiler Titel. Mit „Elemental“ geht es auch ordentlich groovig weiter. Reißen sich die Jungs nochmal zusammen? Zwar gibt es hier auch wieder Gesang zu hören, doch wie in meinen bisherigen zwei Hörtipps weniger soft als beim Großteil der Titel. Ein wenig orientalische Klänge kommen während des Breakdowns noch dazu. Da schimmert doch noch mal so etwas wie talentiertes Songwriting heraus. Zwei Songs hintereinander, die mich überzeugen? Was ist denn da los?

Und dann kommt „Totality“. Zwar finde ich das Riffing ziemlich cool und auch die Shouts sind sehr fett, aber man ahnt vielleicht, worauf ich mit meinem Gegenargument hinauswill. Wenn nicht, lest euch das Review nochmal von vorn durch. Gesang ist schön und so, aber beim Metalcore vielleicht doch mit etwas mehr Power, bitte. Den Abschluss von Ark bildet dann „Now“. Ein Song, der ehrlich gesagt sehr stark unter die Haut geht. Die disharmonischen Klänge und Effektspielereien drücken stark auf’s Gemüt und bauen eine sehr düstere Stimmung auf. Fast so, als würde man auf einem riesigen Ozean allein auf eine riesige dreißig Meter hohe Welle zudampfern. Auch wenn hier musikalisch nicht allzu viel passiert, finde ich „Now“ durch das Arrangement doch echt beeindruckend.

Fazit: Ark ist ein Album, das vielleicht für unerfahrenere Metalcore-Hörer einen guten Einstieg bilden kann. Wer noch nicht auf allzu harte Shouts steht und sich gern ein wenig einkuscheln lässt, ist hier ganz gut dabei. Wer allerdings schon im fortgeschrittenen Stadium der Metalcore-Viren verweilt, wartet doch vielleicht lieber auf das Review zu MISS MAY I’s neuer Scheibe, das ich nächste Woche posten will oder direkt auf das neue Album von AUGUST BURNS RED, das auch demnächst schon erscheinen sollte.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Hörtipps: Passage, Warcry, Overthrow, Elemental, Now

Tracklist:

  1. Ark
  2. Passage
  3. Nomad
  4. Frequency
  5. Warcry
  6. Waterborne
  7. Arrow
  8. Flow
  9. Overthrow
  10. Elemental
  11. Totality
  12. Now

Besetzung:

Vocals: Jake Taylor

Gitarre: Eaven Dall

Gitarre: Ben Naime

Bass: Kyle Erich

Schlagzeug: Caleb Burton

 

Info:

Musikrichtung: Metalcore

VÖ-Datum: 26.05.2017

Label: UNFD

Herkunft: Australien:

Facebook: In Hearts Wake

Website: http://inheartswake.com/

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Musik

Album-Review: SPIN MY FATE – Tides

 

Wenn mich einer gefragt hätte, welche Band mir als erstes einfallen würde, wenn jemand „Münster“ sagt, hätte ich vermutlich mit NEAERA geantwortet. Vielleicht wäre mir später noch H-BLOCKX eingefallen. SPIN MY FATE allerdings hätte ich nicht nennen können. Umso besser ist es, dass ich jetzt auf das letzte Woche erschienene neue Album Tides aufmerksam gemacht worden bin.

Schon nach dem ersten hören wird mir klar, hier habe ich es mit einer Band zu tun, die ihr Handwerk mehr als versteht. Treibende Rhythmen, Hooks, die tagelang im Ohr hängen bleiben und eine Energie, die jeden Morgenmuffel schon früh um fünf hyperaktiv werden lassen würde.

Das Album beginnt direkt mit dem Titelsong. „Tides“ ist ein Titel mit Headbang-Garantie, besonders in der Strophe, und einem Refrain, der einen nicht loslässt. Ein Killer-Opener. „This Ends Now“ hat sogar noch mehr Groove. Eine meiner amerikanischen Lieblingsbands (BREAKING BENJAMIN) lassen hier eindeutig grüßen. Neben dem metal-lastigen Interlude und dem melodischen Refrain gibt es auch die ein oder andere ruhige Stelle, die hier für Abwechslung sorgt.

„Fix Me“ ist ein Titel, der in der Strophe relativ ruhig ist, aber mit dem Refrain durchaus jede Konzerthalle erobern kann. Auch hier gibt es einen besonders grooviges Interlude, das jeden, der nicht komplett anti-musikalisch ist, mitgehen lässt. Genauso geht es auch mit „Dying Day“ weiter. Die Rhythmusarbeit ist eindeutig erstklassig. Der Song könnte glatt von A DAY TO REMEMBER stammen und dennoch kommt der eigene Stil problemlos durch.

Mit „Devil’s Advocate“ ist die Kaufentscheidung eindeutig gefallen. Der rockige Gesang, das Metal-Riffing und der erneut stadionverdächtige Refrain überzeugen mich einfach vollkommen. Als kleine Verschnaufpause kommt mit „Afterglow“ ein knapp einminütiges Instrumental mit vielen Effekten und einer vom Piano getragenen Melodie, bevor es dann mit „Slipping Away“ weitergeht.

Der wirkt zum ersten Mal etwas rocklastiger als die sehr harten ersten Songs. Die Strophe wird hauptsächlich vom Bass, Schlagzeug und Gesang getragen, bevor es wieder in einen Ohrwurmrefrain geht. Eine sehr balladesk wirkende Nummer, die aber genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, denn danach wirft dir „Lullaby“ wieder die geballte Power der Gitarre entgegen. Hammer-Riffing im Intro, der Strophe und im Refrain (hallo Intro), dazu der starke Gesang: das alles lässt mir diesen Song tagelang im Kopf rumschwirren. Für mich schlägt das Lied sogar den Opener und wird für mich zum bisher besten Titel des Albums.

Mit „No Solutions“ geht es jetzt wieder etwas ruhiger weiter. Die effektgeladene Gitarre in der Strophe kommt mit einem melodischen Refrain daher, die einem beim Einstieg in den Refrain einfach die Gänsehaut kommen lässt. Der Break im Song kommt nach etwa zwei Minuten, wo man sich plötzlich stark an SLIPKNOT erinnert fühlt. Ich sag ja: Das Songwriting ist großartig. Auch „Swim“ ist wieder ein etwas mehr als einminütiges Instrumental mit vielen Effekten und einer Melodie, die mir später nochmal begegnen wird. Vorerst geht es aber mit „Jump Song“ weiter, der mit zweistimmigem Gesang glänzen kann. Auch wenn die Vocals bisher schon klasse waren, in dieser Nummer kommen wir nochmal auf eine andere Ebene. Die Backings im Refrain, klassisch an die typischen Backgroundsängerinnen bei Größen wie JOE COCKER angelehnt, geben dem gesamten Titel ein ganz anderes Gefühl und fügen sich großartig ein.

„What Is the Matter“ beginnt mit einem Riff, das ich so gerne mal wieder von METALLICA gehört hätte. Der Gesang hat hier anfangs in der Strophe sogar einen Effekt drüber, der an den ein oder anderen OASIS-Titel erinnert. Allerdings finde ich den Refrain etwas zu ruhig. Bei „Self-Confidence“ finde ich letztendlich die Melodie aus „Swim“ wieder. Auch hier bleibt die Strophe relativ ruhig, als das Schlagzeug dazu kommt, könnte man sogar von einer typischen Popnummer ausgehen (und ernsthaft, warum nicht – es gibt eh zu wenig gute Musik im Radio). Wäre ich der Verantwortliche einer Radiostation, ich hätte diesen Song schon längst laufen lassen.

Fazit: SPIN MY FATE haben sich mit Tides einen Meilenstein gesetzt, den sie erst einmal überbieten müssen. Der energiegeladene Opener „Tides“, der stadionverdächtige „Fix Me“, das großartige „Lullaby“ und der Ohrwurm „Self-Confidence“ lassen nichts übrig, was das moderne Rock-Herz vermissen würde. Ein Album, wie es besser kaum sein könnte.

Bewertung 9 von 10 Punkten

Hörtipps: Tides, Fix Me, Devil’s Advocate, Lullaby, Self-Confidence

Tracklist:

  1. Tides
  2. This Ends Now
  3. Fix Me
  4. Dying Day
  5. Devil’s Advocate
  6. Afterglow
  7. Slipping Away
  8. Lullaby
  9. No Solutions
  10. Swim
  11. Jump Song
  12. What is the Matter
  13. Self-Confidence

Besetzung:

Leadvocals: Jan Kattner

Gitarre, Backings: Simon Bosse

Bass, Backings: Christopher Gasse

Schlagzeug: Jonas Bertels

 

Info:

Musikrichtung: Rock/Metal

VÖ-Datum: 19.05.2017

Label: BigVish Records

Herkunft: Deutschland:

Facebook: https://www.facebook.com/spinmyfate/

Website: http://spinmyfate.de/